Blaualgen im Teich: erkennen, richtig handeln und vorbeugen

Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien. Sie können sich bei günstigen Bedingungen stark vermehren und das Wasser grün, blaugrün oder türkis färben. Einige Arten können Giftstoffe bilden, die für Menschen und Tiere problematisch sein können.

Eine auffällige blaugrüne Wasserblüte oder ein schleimiger Belag im Teich sollte deshalb nicht einfach als normale Algenentwicklung abgetan werden. Entscheidend ist, die Ursache zu erkennen und die Bedingungen im Teich so zu verändern, dass sich Cyanobakterien nicht dauerhaft stark vermehren können.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Verdächtige Wasserblüten oder Beläge nicht einfach anfassen oder aufwirbeln.
  • Menschen und Haustiere sollten bei einem deutlichen Verdacht nicht mit dem Wasser in Kontakt kommen.
  • Die wichtigste Ursache sind meist zu viele verfügbare Nährstoffe, besonders Phosphor.
  • Fischbesatz, Fütterung, Laub, abgestorbene Pflanzen, Schlamm und Einträge von außen können Nährstoffe in den Teich bringen.
  • Ein Wasserwechsel oder Algenvernichter kann das Problem kurzfristig beeinflussen, beseitigt aber nicht automatisch die Ursache.
  • Bei wiederkehrenden Problemen sollten Nährstoffeinträge, Wasserwerte und die Bedingungen im Teich genauer untersucht werden.

Was sind Blaualgen?

Der Begriff „Blaualgen“ ist umgangssprachlich. Wissenschaftlich handelt es sich um Cyanobakterien. Sie gehören zu den Bakterien, können aber wie Pflanzen Photosynthese betreiben.

Cyanobakterien kommen natürlicherweise in Gewässern vor. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie sich stark vermehren und gegenüber anderen Organismen die Oberhand gewinnen.

Einige Cyanobakterien können Cyanotoxine (Giftstoffe, die von bestimmten Cyanobakterien gebildet werden) bilden. Dazu gehören unter anderem Lebergifte und Nervengifte, die verschiedene Organe und das Nervensystem schädigen können. Eine sichtbare Cyanobakterienblüte bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Giftstoffe vorhanden sind. Ohne Untersuchung lässt sich das nicht sicher am Aussehen erkennen.

Bei einem deutlichen Verdacht sollte das Wasser deshalb vorsichtshalber nicht als unbedenklich angesehen werden.

Wie sehen Blaualgen im Teich aus?

Fotos: Christian Fischer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Cyanobakterien können ganz unterschiedlich aussehen. Je nach Art und Wachstumsform können sie beispielsweise
  • ▸  das Wasser gleichmäßig grün, blaugrün oder türkis verfärben,
  • ▸  als grünliche bis blaugrüne Trübung auftreten,
  • ▸  an der Wasseroberfläche schwimmen,
  • ▸  schleimige Beläge oder Matten bilden,
  • ▸  sich an Steinen, Folien, Pflanzen oder anderen Oberflächen ansiedeln.

Sie können auch als Aufwuchs (festsitzender Belag auf einer Oberfläche) auf Steinen, Folien oder Pflanzen wachsen. Eine starke Ansammlung an der Oberfläche kann teilweise an verschüttete Farbe oder eine dünne, schmierige Schicht erinnern.

Wichtig: Das Aussehen allein reicht nicht immer für eine sichere Bestimmung aus. Auch andere Algen im Teich und organische Beläge können ähnlich aussehen.

Eine Geruchs- oder Fingerprobe ist deshalb keine sinnvolle Methode zur Bestimmung. Einen verdächtigen Belag sollte man nicht mit bloßen Händen anfassen oder absichtlich aufwirbeln.

Wie lassen sich Blaualgen im Teich nachweisen?

Eine grünliche oder blaugrüne Wasserfärbung kann auf Blaualgen hinweisen. Am Aussehen allein lässt sich aber nicht sicher feststellen, ob es sich tatsächlich um Cyanobakterien handelt.

Für eine genauere Bestimmung kann eine Wasserprobe unter dem Mikroskop untersucht werden. Fachkundige Labore können dabei erkennen, ob Cyanobakterien vorhanden sind und welche Gruppen beziehungsweise Gattungen vorkommen. Eine solche Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn das Aussehen des Belags unklar ist oder ein wiederkehrendes Problem genauer untersucht werden soll.

Wer wissen möchte, ob zusätzlich Cyanotoxine im Wasser vorhanden sind, benötigt eine weitergehende Laboranalyse. Dafür werden spezielle Untersuchungsverfahren eingesetzt, beispielsweise für Microcystine. Ein normaler Teich-Wassertest auf pH, Nitrat oder Phosphat kann Cyanobakterien oder ihre Giftstoffe nicht nachweisen.

Bei einem deutlichen Verdacht sollte deshalb nicht erst auf ein Testergebnis gewartet werden, bevor Menschen oder Tiere den Kontakt mit dem Wasser vermeiden.

Sind Blaualgen im Gartenteich gefährlich?

Einige Cyanobakterien können Giftstoffe bilden. Für Menschen besteht insbesondere dann ein Risiko, wenn belastetes Wasser verschluckt wird. Auch Haut- und Schleimhautkontakt kann Beschwerden verursachen.

Für Haustiere ist die Situation besonders relevant. Hunde können beispielsweise beim Trinken oder Baden größere Mengen Teichwasser aufnehmen.

Bei einem deutlichen Verdacht auf eine Cyanobakterienblüte gilt deshalb zunächst:

  • ▸  Menschen nicht im betroffenen Wasser baden lassen.
  • ▸  Kinder vom Teich fernhalten.
  • ▸  Haustiere nicht aus dem Teich trinken oder darin baden lassen.
  • ▸  Verdächtige Beläge nicht mit bloßen Händen berühren.
  • ▸  Bei starkem Befall unnötigen Kontakt mit dem Wasser vermeiden.

 

Auch ohne Nachweis von Cyanotoxinen sollte ein deutlicher Verdacht nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Warum entstehen Blaualgen im Teich?

Ein häufiger Fehler bei der Ursachenbekämpfung ist der Blick ausschließlich auf das Teichwasser.

Nährstoffe können beispielsweise über

  • ▸  Fischfutter,
  • ▸  Fischkot,
  • ▸  Laub und abgestorbene Pflanzenteile,
  • ▸  Dünger aus dem Umfeld,
  • ▸  nährstoffreiches Regenwasser,
  • ▸  Erde und abgeschwemmtes Bodenmaterial

Auch der Teichboden kann bei wiederkehrenden Problemen wichtig sein. Dort können sich über Jahre organische Sedimente (abgelagerte Reste wie Schlamm und abgestorbenes Pflanzenmaterial) und Nährstoffe ansammeln.

Deshalb reicht es häufig nicht aus, einmal Wasser zu wechseln oder die sichtbare Blüte zu entfernen. Wenn weiterhin viele Nährstoffe in den Teich gelangen, können sich Cyanobakterien erneut stark vermehren.

Was tun bei Blaualgen im Teich?

Die langfristige Lösung liegt meistens nicht darin, die Cyanobakterien immer wieder abzutöten. Entscheidend ist, die Bedingungen zu verändern, unter denen sie sich massenhaft entwickeln können.

Nährstoffquellen im Teich prüfen

  • Fischbesatz: Ist der Fischbesatz für den Teich zu hoch?
  • Fütterung: Wird zu viel gefüttert?
  • Regenwasser: Gelangt Wasser von gedüngten Flächen in den Teich?
  • Organisches Material: Liegen viele Pflanzenreste oder anderes organisches Material im Wasser?
  • Teichschlamm: Hat sich viel Schlamm am Teichboden angesammelt?
  • Zuläufe: Gibt es Zuflüsse, über die Nährstoffe in den Teich gelangen?

Hilft ein Wasserwechsel gegen Blaualgen?

Ein Wasserwechsel kann die Konzentration gelöster Stoffe und damit auch einen Teil der vorhandenen Nährstoffe oder Stoffwechselprodukte reduzieren.

Er ist aber keine allgemeine Lösung für Cyanobakterienprobleme.

Wenn anschließend weiterhin nährstoffreiches Wasser in den Teich gelangt oder große Nährstoffmengen im Teich vorhanden sind, kann sich die Entwicklung wiederholen.

Deshalb gibt es auch keine sinnvolle allgemeine Regel wie „bei Blaualgen immer 50 Prozent Wasser wechseln“.

Ob und wie viel Wasser gewechselt wird, hängt vom jeweiligen Teich, der Wasserqualität des Nachfüllwassers und der Ursache des Problems ab.

Muss der Teichfilter gereinigt werden?

Nicht automatisch.

Ein Teichfilter sollte bei starker Verschmutzung natürlich gewartet werden. Ein Cyanobakterienproblem ist aber kein Grund, die gesamte biologische Filterbesiedlung grundsätzlich zu zerstören.

Eine gründliche Reinigung kann die biologische Filterbesiedlung (die nützlichen Mikroorganismen im Filter) beeinträchtigen und damit die Filterleistung vorübergehend schwächen.

Deshalb gilt: Filter reinigen, wenn er verschmutzt oder in seiner Funktion beeinträchtigt ist – aber nicht einfach deshalb, weil Cyanobakterien im Teich aufgetreten sind.

Die eigentliche Ursache der Cyanobakterienblüte liegt normalerweise nicht darin, dass ein Filter „zu wenig sauber“ ist.

Hilft Belüftung gegen Blaualgen?

Eine gute Sauerstoffversorgung kann bei starkem Algenwachstum wichtig sein, um Sauerstoffmangel zu vermeiden. Sie ist aber kein zuverlässiges Mittel, um Cyanobakterien einfach abzutöten.

Besonders bei warmem Wetter oder wenn größere Mengen Biomasse absterben, kann der Sauerstoffverbrauch im Teich deutlich ansteigen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Eine starke Algenblüte kann selbst zum Sauerstoffproblem werden.

Tagsüber produzieren Algen und Cyanobakterien bei Licht Sauerstoff. Nachts verbrauchen sie Sauerstoff. Wenn große Mengen Algen oder Cyanobakterien absterben und sich zersetzen, steigt der Sauerstoffverbrauch zusätzlich.

Bei einem massiven Befall sollte deshalb nicht nur auf die sichtbaren Cyanobakterien, sondern auch auf den Sauerstoffgehalt des Teiches geachtet werden.

Sind Algenvernichter bei Blaualgen sinnvoll?

Bestimmte Wirkstoffe können Cyanobakterien abtöten. Ein Algenvernichter ist deshalb aber nicht automatisch die richtige Lösung für einen Gartenteich.

Je nach Produkt kommen beispielsweise oxidativ wirkende Wirkstoffe wie Wasserstoffperoxid (sie greifen die Zellstrukturen der Cyanobakterien an und schädigen sie) oder kupferhaltige Wirkstoffe zum Einsatz. Ihre Wirkung und ihre möglichen Auswirkungen auf andere Wasserorganismen unterscheiden sich deutlich.

Gerade bei einem Teich mit Fischen, Pflanzen und anderen Wasserorganismen sollte deshalb nicht irgendein Algenmittel eingesetzt werden. Entscheidend ist, ob das konkrete Produkt für den vorgesehenen Einsatz zugelassen ist und welche Anwendung der Hersteller vorgibt.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Werden große Mengen Cyanobakterien gleichzeitig abgetötet, entsteht viel abgestorbenes Material im Teich. Bei dessen Zersetzung kann Sauerstoff verbraucht werden. Bei einem ohnehin belasteten Teich kann sich der Sauerstoffhaushalt dadurch zusätzlich verschlechtern.

Vor allem aber beseitigt ein Algenvernichter nicht die Ursache. Wenn weiterhin viele Nährstoffe in den Teich gelangen, können sich Cyanobakterien nach der Behandlung erneut stark vermehren.

Konkrete Mittel gegen Blaualgen sind im Handel erhältlich. Ein Beispiel ist Söll AlgoSol, das vom Hersteller ausdrücklich auch zur Behandlung von Blaualgen im Gartenteich angegeben wird. Die Anwendung erfolgt bei Blaualgen über mehrere aufeinanderfolgende Tage. Auch bei solchen Produkten müssen die aktuelle Kennzeichnung und die vorgeschriebene Anwendung beachtet werden.

Bei einem einmaligen, starken Befall kann ein geeignetes Mittel im Einzelfall eine Option sein. Bei wiederkehrenden Problemen sollte aber zuerst die Ursache gesucht und beseitigt werden.

Wer ein entsprechendes Produkt verwendet, sollte immer die aktuelle Produktkennzeichnung und Anwendungsvorschriften beachten und niemals höher dosieren oder anders anwenden als angegeben.

Blaualgen im Teich - das Wichtigste zum Schluss

Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien. Eine starke Vermehrung kann auf ein Nährstoffproblem im Teich hinweisen und unter bestimmten Bedingungen auch gesundheitlich relevant sein.

Bei einem deutlichen Verdacht sollten Menschen und Tiere den Kontakt mit dem Wasser vermeiden. Gleichzeitig gilt es, die Ursachen zu suchen: Zu viele Nährstoffe, ungünstige Bedingungen und eine starke organische Belastung können eine Massenentwicklung begünstigen.

Ein Wasserwechsel, eine stärkere Belüftung oder ein geeignetes Mittel können im Einzelfall helfen, ersetzen aber keine Ursachenanalyse. Besonders bei wiederkehrenden Problemen sollte deshalb geprüft werden, woher die Nährstoffe stammen und wie sich die Bedingungen im Teich dauerhaft verbessern lassen.

Unsere Erfahrung aus der Teichpflege: Nicht die sichtbaren Blaualgen allein bekämpfen, sondern die Bedingungen im Teich so verändern, dass eine starke Massenentwicklung gar nicht erst dauerhaft entsteht.
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